Stets um Aufklärung bemüht, beantworte ich meinen Kindern nahezu jede Frage so aufrichtig und so weltlich wie möglich. An Grenzen gerate ich meist, wenn es um soziale oder psychologische Aspekte geht, denn spätestens dann ist es mit der Objektivität vorbei und ausgeprägte Raster sowie Ideologie tun ihre Arbeit. Zugegeben auf Fragen nach dem Weihnachtsmann lüge ich und ebenso auf die Frage, warum das Kind auf der Zeitung so traurig aussieht: Es ist ein Erdbebenopfer von Haiti. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es für jedes Alter erträgliche Wahrheiten gibt und jedes Alter elterliche Lügen herausfordert – denn Ehrlichkeit zur falschen Zeit, schadet einer gesunden Entwicklung. Lange Rede, kurzer Sinn: Neulich spazierten wir eine Straße entlang. Am Rand stand ein Geigenspieler und vor ihm lag ein Hut, in den barmherzige Menschen Geld legten. Diese Szene hatten wir schon vielerorts beobachtet. Kinder schauen aufmerksam und sobald sich etwas wiederholt, findet es Eingang in den Gedankenkreislauf und verlangt, einsortiert zu werden. Plötzlich kam die Frage: „Mama, warum können arme Menschen immer ein Instrument spielen?“ Was hätte ich darauf antworten sollen?
cos