Wie war Dein Wochenende? Ist die erste Frage der Kollegen am Montagmorgen. Nicht nur, dass das Weckerklingeln am Montag für die meisten von uns eine neue, ewig lang scheinende Woche einläutet. Noch dazu zu einer Uhrzeit, da wir normalerweise weiterschlafen würden. Hat man sich dann endlich in die Arbeit begeben, kommt verlässlich diese Frage. Am Dienstagmorgen heißt es nie: „Und, wie war Dein Montag?“ und am Mittwoch heißt es nie: „Na, wie war Dein Dienstag?“ Außer freitags, da heißt es: „Und, was machst Du am Wochenende?“ In der Frage nach dem vergangenen oder vorgesehenen Wochenendprogramm stecken gleich mehrere Dinge. Erstens: Das Wochenende ist die Zeit, in der man sich wohl fühlt, in der man im Gegensatz zur Woche, Dinge erlebt, von denen es sich zu berichten und  andere zu begeistern lohnt. Die Frage provoziert Erzählungen vom tollen Brunch, ausgiebigen Wanderungen, exzessiven Partys oder sonstigen Events. Alles Dinge, die man eben nur dann sorglos und in vollem Umfang genießen kann, wenn man frei hat. Zweitens: Unter der Woche funktioniert man mehr, ist weniger sein eigener Herr – kaum durchfeierte Nächte oder angesagte Events, also kein Grund nachzufragen. Die Aufteilung zwei Tage Wochenende, fünf Tage Arbeit ist keinem so richtig geheuer, dennoch vorerst unabwendbar. Trotzdem: Auch die anderen Wochentage sind das Laben, das man mit Inhalt füllen kann. Nicht unbedingt nur mit dem Besuch begehrter Veranstaltungen oder angesagter Bars. Denn wer grundsätzlich an allem aufrichtig interessiert ist, egal ob an Musik, Geschichte, gesellschaftlichen oder politischen Entwicklungen, wird es als eine Zumutung erachten, nur auf das Wochenende reduziert zu werden. Einzig das Ausschlafen ist so ein schönes Interesse, dem man nur am Wochenende eingängig nachgehen kann.
cos