Ich saß im Bus. An einem grauen Dezembertag. Der Mann mir gegenüber hielt mürrisch seinen gerade frisch erbeuteten Tannenbaum in der Hand. Über den Gang saß eine Frau, ebenso geplagt dreinschauend. Der Bus war ziemlich voll. Im Großen und Ganzen voll von unansehnlich in die Welt blickenden Menschen. Kein Wunder in der aufgabenvollen Vorweihnachtszeit. An einer Haltestelle stiegen zwei Jungen ein. Etwa 11 Jahre alt. Sie waren frisch, voller Lebensenergie, obwohl sie gerade aus der Schule kamen. Sie hatten noch keinen Fahrschein und nur einen Geldschein, den sie wechseln mussten. Um Redlichkeit bemüht und wissend, dass man ohne Fahrschein eine das Taschengeld für ein ganzes Jahr aufzehrende Geldstrafe aufgebrummt bekommt, fragten sie, ob einer der Mitfahrer den Schein wechseln könne. Nicht nur, dass keiner die 5 Euro kleiner machen konnte, zu allem Übel schafften manche der Gefragten es nicht einmal, den Jungen ins Gesicht zu schauen oder höflich zu antworten, dass sie leider kein Kleingeld hätten. Ich kramte um Rettung bemüht in meinem Geldbeutel, konnte aber auch nicht helfen. Nun denn, keiner hatte das nötige Wechselgeld. Das ist eine Sache und nicht zu ändern. Aber: So unhöflich und entmutigend wie die Businsassen auf die beiden netten Jungs reagierten, wunderte es mich nicht, wenn diese bei der nächsten Fahrt riskierten, keinen Fahrschein zu haben, nur um nicht den übellaunigen und unfreundlichen Antworten ihrer erwachsenen Mitmenschen ausgesetzt zu sein.
cos