Es existieren zwei wissenschaftliche Möglichkeiten, der Wahrheit nahe zu kommen. Die deduktive und die induktive Methode. Die deduktive Methode schließt vom Allgemeinen auf das Besondere, oder ganz einfach ausgedrückt vom Großen auf das Kleine. Die induktive Arbeitsweise ist die Umkehrung, sie schließt demnach vom Besonderen auf das Allgemeine oder vom Kleinen auf das Große.
Wie ist das nun beim Spiel mit Playmobil? Darüber muss ich in letzter Zeit sehr viel nachdenken. Denn meine Tochter bekam zum Geburtstag ein Playmobil Einfamilienhaus geschenkt. Seitdem fragt sie mich jeden Tag, ob ich mit ihr „Playmo“ spiele. Sobald sie diese Frage gestellt hat, arbeitet mein Gehirn in Lichtgeschwindigkeit. In teuflischer Eile verbinden sich alle Synapsen, die in der Lage sind, eine passende Ausrede zu finden. Warum soll ich es umschreiben, wenn es doch ganz einfach ist: Ich hasse „Playmo“ Spielen. Ich werde verrückt wenn sich meine großen Hände durch diese Miniwelt arbeiten, winzig kleine Teller mit einem Durchschnitt von 3 Millimetern auf einen Minitisch stellen und dabei jedes Mal die komplette erste Etage abreißen. Ich hasse es, wenn ich „Playmokinder“ in ihre Betten mit den starren Plastikdecken legen muss, dies aber nicht gelingt, weil die Arme der Playmokinder noch immer waagerecht nach vorn stehen. Ich hasse die Minieier, die die Henne nebenan jeden Morgen frisch legt und die ich dann eigenhändig in einer Minipfanne braten darf. Doch eigentlich war ich bei Deduktion und Induktion. Wenn also mein Töchterchen, Playmobil spielt und mit den vielen scheußlich kleinen Dingen unseren Alltag nachempfindet, muss es doch so sein, dass sie von dieser kleinen Welt auf die Große schließt. Ich wundere mich dann zwar, wenn sich innerhalb von drei Minuten, ein Playmokind gleichzeitig Arm und Bein bricht, das Wohnhaus augenblicklich zum Krankenhaus wird und die ganze fünfköpfige Playmofamilie gemeinsam mit dem verletzten Kind in einem Krankenhauszimmer übernachten darf. Doch ein wenig Übertreibung ist ja noch erlaubt. Mein Sohn hat sich nämlich letztes Jahr tatsächlich das Bein gebrochen und musste ins Krankenhaus. Allerdings kann ich mich nicht erinnern, dass wir zu Viert dort geschlafen haben. Man könnte dennoch sagen, dass die Kleine trotz vernachlässigbarer Realitätsabweichungen nah dran ist an der Wahrheit – denn ein gebrochenes Bein, einen Krankenhausaufenthalt und viel Aufregung hatten wir. Doch wie ist es dann mit der Wahrheit bzw. der Realität, wenn im Spiel Handlungen vorkommen, die wir nicht kennen, nicht einmal aus einem Buch, das wir neulich vorgelesen haben. Sind das dann Vorzeichen, Botschaften, Dinge, die noch passieren werden? Denn merkwürdigerweise klingelt es meist irgendwann im Playmohaus und vor der Tür steht ein Findelkind, dass von seiner Mama verstoßen wurde…ich schlucke an dieser Stelle. Doch rasch ist mir allein das Playmoeinfamilienhaus mit Carport und Basketballkorb ein Trost, denn es spiegelt die wahren Verhältnisse authentisch wider – wir wohnen im 4. Stock eines 10 Parteienhauses mitten in der Stadt.
cos