Waren Sie schon einmal längere Zeit allein – ohne die Kinder? Die waren vielleicht bei ihren Großeltern oder im Ferienlager, für ein paar Tage, eine Woche oder zwei? Wenn ja, dann kennen Sie sicher diese seltsame Veränderung, die sich in diesen freien Tagen in einem vollzieht. Man ist plötzlich wieder man selbst, befreit von den Lasten des Alltags, den Verpflichtungen, die rund um das Leben mit Kindern erfüllt werden müssen. Und diese Freiheit, diese Erleichterung bringt einen zu sich selbst zurück, zu dem Menschen, der man war, bevor man Mutter oder Vater wurde. Zurück zu dem Menschen, der seine Zeit zum Lesen nutzte, zum Schreiben, zum Sport treiben, der die Zeit nutzte oder tot schlug – so wie er es eben wollte und konnte. Die Frage ist jetzt: Wenn man noch immer dieser Mensch ist, wie kann man dann glücklich bleiben im aufreibenden Familienalltag - ohne sich ständig die Formel vorzubeten: "Ich tue es gern, denn ich tue alles für meine Familie!" Ich denke, das funktioniert nur dann, wenn man begeistert ist von der großen Aufgabe, Kinder zu haben - wenn es Sinn macht und man davon erfüllt ist. Dann kann man dem anderen Menschen für eine Zeit „Leb wohl“ sagen, um ihn in den Kinder-Pausen oder nachdem die Kinder ausgezogen sind, vielleicht wieder zu entdecken. Das ist die verträgliche Variante – finde ich. Fraglich wird es, wenn man sich nur noch mit den Kindern „ganz“ fühlt und durch sie lebt. Sich demzufolge in der kinderfreien Zeit irgendwie leer fühlt. Ich bin froh, die Zeit genießen zu können, die ich jetzt habe – denn die Kinder sind weg, haben eine tolle Zeit bei Oma und Opa.
cos