Es ist eigentlich eine Farce, dass es überhaupt so etwas gibt: einen Weltspieltag, wo das Spielen doch das Selbstverständlichste von der ganzen Welt ist. Aber nun gut, jetzt gibt es ihn und das ist Grund zur Sorge. Initiiert wurde der erste nationale Weltspieltag vom Kinderhilfswerk - Kindertagesstätten, Schulen, Initiativen und Projekte der Jugendarbeit und von Jugendverbänden waren aufgerufen, in ihrer Stadt oder Gemeinde eine witzige, provokante und öffentlichkeitswirksame Spielaktion durchzuführen. Das Motto lautete: „Mehr Toleranz für Kinderspiel!“. Offenbar sinkt die Toleranz für spielende Kinder in Deutschland gewaltig; Städte werden zubetoniert, Parks und Grünflächen zu Verbotszonen, Innenhöfe werden unzugänglich gemacht und die Anzahl der Spielplätze sinkt. Doch Kinder brauchen Platz zum Spielen, Platz für genügend Bewegung, Platz, um sich gesund zu entwickeln. In einer Gesellschaft mit immer weniger Kindern und starken Bedürfnissen der älteren Generation ist ein abnehmendes Verständnis für das lautstarke Spielen zu verzeichnen.
Wenn wir uns an unsere Kindheit erinnern, fallen uns zunächst die Spiele ein, die wir draußen gespielt haben: „Gummitwist“, „Räuber und Gendarm“ oder „Verstecken“. Draußen bedeutet: ausreichend Platz, frische Luft, Ausgelassenheit, Freiheit, Lebensfreude und viel Bewegung; das ist unvergesslich, weil es einfach gut tut.
Eltern und Kinder stehen heute unter enormem Zeitdruck: Von der Schule geht’s zur Klavierstunde, von der Klavierstunde zur Nachhilfe. Zudem ist es für viele Eltern einfacher, ihre Kinder vor den Fernseher zu setzen oder Ihnen einen Gameboy in die Hand zu drücken, als sich mit Ihnen zu beschäftigen. Der Weltspieltag soll die Bedeutung des Spielens und ebenso die Ergebnisse jüngster Studien über motorische Schwächen und Übergewicht ins Bewusstsein setzen. Wer wissen möchte, was am Weltspieltag in deutschen Städten los ist, kann sich hier informieren.
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