Glück verdoppelt sich, wenn man es teilt, so lautet ein altes Sprichwort. Alle kennen seinen Sinn. Glück zu teilen bedeutet nicht nur, anderen von Erfolgen oder positiven Momenten zu berichten, um die Freude der Anderen, Teil der eigenen Freude werden zu lassen. Glück zu teilen bedeutet auch, barmherzig zu sein; etwas von dem abzugeben, was man hat, auch wenn es wenig ist. Meine Tochter erhält in der Woche 50 Cent Taschengeld. Vergangene Woche waren wir gemeinsam einkaufen. Vor dem Markt saß eine Frau und bettelte. Ich sah sie, ging aber meinen Besorgungen weiter nach. Im Geschäft fragte meine Tochter, ob ich ihr ein paar Cent geben könne. Genervt paukte ich meine Standardpredigt darüber, dass man im Leben nicht alles kaufen könne, was einem gefällt und es diesmal keine Kekse, keine Schokolade und keine Kaugummis gäbe. Verzweifelt, fast weinend sagte sie, dass sie das Geld gern der armen Frau geben würde, die draußen sitzt. Ich bereute meine Schimpferei und gab ihr das Geld. Als wir hinausgingen reichte sie es der Frau. Bewegt durch die Freude der Frau, bat meine Tochter, ihr noch das Taschengeld für die kommende Woche auszuzahlen – auch das schenkte sie der Frau. Ohne belehrende Worte, wusste das Kind, dass es richtig ist, etwas zu abzugeben und falsch, einen benachteiligten Menschen zu missachten - erst recht, wenn es einem selbst gut geht. In diesem Fall hat sich das Glück mindestens vervierfacht.
cos