Sechs Jahre sind wir zusammen – eine lange Zeit. Schon kurze Zeit, nachdem wir ein Paar wurden, war ich schwanger und wir bekamen unser erstes Kind. Zwei Jahre später bekamen wir unser zweites Kind. Wer Kinder hat weiß, wie viel Aufmerksamkeit und Zeit Kinder benötigen und wie wenig Zeit für Partnerschaft und Romantik bleiben. Ausgenommen man ist Hollywood Star oder Topmodel und das Haus angereichert mit Nannys und Köchinnen, die einen professionell vom Nachwuchs abschotten. Die ersten Jahre mit Kindern sind Prüfungen für jede Beziehung – nicht umsonst trennen sich viele Paare, wenn die Kinder noch klein sind. Die ersten Jahre mit unseren Kindern sind nun vorbei. Es waren wunderbare und anstrengende Jahre. Wir sind nicht verheiratet. Bis heute ist es für mich ein Geheimnis, ob das gut oder schlecht ist. Diese Frage hat sich scheinbar auch mein „Lebensgefährte“ gestellt und anschließend hat er mich gefragt, ob ich seine Frau werden möchte. Das war sehr romantisch. Dennoch sagte ich irgendwie mechanisch „Ja!“. Seitdem versuche ich zu ergründen, woran das lag. „Er ist nicht der Richtige!“, war das eindeutige Statement einer Freundin (ist sie wirklich eine Freundin?). Diese Antwort stand im Raum und die dazugehörige Frage quälte mich nächtelang. Doch so einfach war es nicht. Denn es ist so: „Liebe“ hat eine große, eine überwältigende Bedeutung - sie ist alles. Die Ehe ist nur eine Ausdrucksform für die Liebe. Viele Ehen werden nach kurzer Zeit wieder geschieden, obwohl man sich zum besonderen Anlass der Hochzeit hoch und heilig versprach, einander zu lieben, in guten und in schlechten Zeiten, bis dass der Tod…In Krisen, weil ein anderer Partner besser zu sein scheint und aus vielen anderen Gründen wird das Eheversprechen dann einfach weggeworfen. Und weil ich dieses Versprechen halten möchte, weil es mir unendlich viel wert ist, kann ich es nicht geben, denn wer weiß, welche Überraschungen das Leben noch vorbereitet hat. Vielmehr plädiere ich dafür, dass man sich den Stand „Ehe“ verdienen muss. Beispielsweise dürfte man erst heiraten, wenn man mindestens zwanzig Jahre zusammen ist. Mag sein, dass die Braut, dann graues Haar trägt, mag sein, dass der Bräutigam dann wenig Haar trägt - doch wann ist die Liebe tiefer und weiser als nach so vielen Jahren Partnerschaft? Das ist wahre Romantik.
Wir sind übrigens immer noch nicht verheiratet und eine Hochzeit ist nicht geplant.
cos