Mein kleiner Sohn ist in einem tollen Kindergarten. Seine Gruppe ist eine Integrationsgruppe und wird deshalb normalerweise von mehreren Erzieherinnen und einem Zivildienstleistenden betreut. Im vergangenen Jahr gab es in der Gruppe allerdings nur weibliches Personal – und im gesamten Kindergarten wenigstens einen Erzieher. Kinder erlernen Sprache durch Begreifen. Arbeiten in einem Kindergarten also ausschließlich oder hauptsächlich Erzieherinnen, wird ein Kind daraus folgern, dass es immer Damen sind, die sich Tag für Tag im Kindergarten um sie kümmern und diese heißen eben: Erzieherinnen. Seit dem neuen Kindergartenjahr wird die Gruppe nun endlich wieder von einem Zivi unterstützt. Mein kleiner Sohn, hin und wieder gebeutelt von archaischen Kraftanfällen und angewiesen auf männliche Vorbilder, hat sich sofort an seine Fersen geheftet und lässt sich jetzt täglich mehrere Bilder von der neuen männlichen Kraft malen. Bilder von „Superfly“ und coolen Autos präsentiert er mir nun stolz, wenn ich ihn abhole. Ich frage ihn: „Der Markus ist wohl Dein neuer Freund?“. Er antwortet empört: „NEEEIIIN, der Markus ist doch nicht mein neuer Freund. Aber der Markus ist meine Lieblingserzieherin!“.
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