Der Keller steht voll Gerümpel, der Dachboden auch. Jeden Tag laufe ich an unzähligen Dingen in unserer Wohnung vorbei, die kein Mensch mehr beachtet - alte Kerzenleuchter, alte Regalbretter (säuberlich hinter Schränken verstaut), nicht zu reparierende Spielsachen und ein Haufen Kleinkram. Wenn ich Pech habe fallen mir all diese Dinge ins Auge und ich denke an die seit Monaten nötige Entrümpelungsaktion. In der Woche haben wir keine Zeit dazu und die Wochenenden sind zu schade für derartige Großeinsätze. Das Aufschieben hat einen weiteren Grund – das Nein zur Wegwerfgesellschaft, denn irgendwo in meiner Idealvorstellung sehe ich mich Möbel restaurieren, Pullover stricken und Socken stopfen. Doch ich scheitere an den gesellschaftlichen Gegebenheiten - mir bleiben weder Muse, noch Gelegenheit, all die aufwendigen Tätigkeiten zu vollbringen. Also kommt dann doch eines Tages der Moment, in dem in Ärmel hochgekrempelt und die Zähne zusammengebissen werden; der Sperrmülltag. War man vorher nostalgisch und wollte sich von nichts trennen, wird man jetzt geradezu übermütig, die Mülltüten und das Auto können gar nicht groß genug sein - Alles muss raus! 
Dann fährt man zum Wertstoffhof und es geht los: Holz zu HOLZ, das alte Waffeleisen zu den KÜCHENGERÄTEN, die alte Lautsprecherbox zum ELEKTROSCHROTT. Betrachtet man die heruntergekommenen Objekte, die rings um einen herum in den Containern abgeladen werden, verfällt man schnell in Endzeitstimmung. Fliegen die eigenen ausgemusterten Stücke jedoch eine Sekunde später in hohem Bogen in die jeweiligen Container und landen dort mit lautem Knall ist es vorbei damit. Der laute Knall – es ist dies der triumphale Abschluss eines Befreiungsschlages, der Tusch für einen Neuanfang. Wenn wir ab und zu Dinge kaufen und andere dafür wegwerfen, sind wir nicht hoffnungslos konsumsüchtig – immerhin werden viele Industriegüter aufgrund wirtschaftlicher Interessen von vornherein für eine begrenzte Lebensdauer konzipiert. Auch wenn wir alte Dinge wegwerfen, achten wir ihre Geschichte, denn sonst hätten wir sie schon viel eher dem Müll übergeben.
cos

(Foto: Pixelio)