Und, wann feiern Sie Halloween?
Werden Sie das zur Zeit auch allenorts gefragt? Es scheint mir, als hätte ich zehn, zwanzig Jahre in einer Grube fernab der Zivilisation verbracht und völlig verpasst, dass nun in wenigen Tagen DAS Event des Jahres ansteht. Der Einkauf im Supermarkt um die Ecke bestätigt, was mir Nachbarn und andere Schuleltern schon zuvor vermittelt haben: An Halloween kommt niemand mehr vorbei. Es gibt Schokolade in Kürbisform, Gruselkekse, Vampir-Süßigkeiten, Skelett-Lutscher und nicht zu vergessen - unzählige Kostüme.
Was ist da passiert? Als ich ein Kind war - und ich darf Ihnen verraten, dass das noch kein halbes Jahrhundert her ist - wäre man nicht im Traum auf die Idee gekommen, einen Nicht-Amerikaner zu fragen, ob er Halloween feiern würde. Wäre ich außerhalb der Faschingszeit verkleidet von Tür zu Tür gegangen und hätte "Süßes oder Saures" gerufen - es hätte bestenfalls Saures gegeben, wirklich bestenfalls.
Woher kommt das, dass wir nach unzähligen Möglichkeiten für Events suchen, die eigentlich nichts anderes als kurzfristigen Konsum mit sich bringen? Bin ich schon zu spießig für solche Dinge? Sollte ich einfach meinen "früher war alles besser"-Gedanken über Bord werfen und mich freuen, dass die Welt immer weiter zusammenwächst und wir uns schon so verbunden fühlen, dass wir eine von Iren erfundene Tradition übernehmen? Müsste ich mich dann aber nicht gleichzeitig darüber ärgern, dass niemand in Hongkong den Tag der Deutschen Einheit feiert?
Als ich meiner Tochter, die natürlich auch in der Schule eine Halloween-Party feiern soll und dafür mit Kostüm und Co. ausgestattet werden möchte, diese Gedankengänge erklärte, schauten mich zwei große Augen an. Für sie ist Halloween so selbstverständlich wie Weihnachten, Fasching oder Ostern. Ob ich nun nächste Woche mit einem Grummeln in der Magengegend ein Kostüm besorgen gehe, oder die Halloween-Nacht nochmal dazu nutze, der Kleinen zu erklären, worum es mir geht, das wird sich noch zeigen.
Was meinen Sie? -Kathrin