Vor ein paar Wochen war ich mit meinem kleinen Sohn, er ist zweieinhalb Jahre alt, beim Friseur. Erst habe ich selber an seiner Frisur herumgeschnipselt, denn wer Mützen stricken kann, kann doch wohl auch Haare schneiden. Das Ergebnis war dann eine Mireille Mathieu-Frisur mit Ecken und das sah gar nicht schön aus. In 10 Minuten unkonzentrierten Stillhaltens seinerseits und nervösen Zurufen „Schau doch mal hierhin, ja so ist’s fein…“ meinerseits, hatte ich den Kleinen in eine französische Sängerin verwandelt. Na toll…also entschied ich mich doch zu einem Besuch beim Friseur. Wir kamen gleich dran. Als ich ihn jedoch auf den Friseurstuhl setzte, fing er an zu weinen, so nahm ich ihn auf meinen Schoß. In meinem Ohr klapperte es einige Male metallisch und als ich aufsah, war der Schnitt bereits perfekt. Der Kleine hatte sich mucksmäuschenstill verhalten und sah nun wieder wie ein Beatle aus. Fein. Obwohl er dem Herrn mit der flinken Schere hätte dankbar sein sollen, war er sichtbar froh, den Laden wieder verlassen zu dürfen.

Neulich musste ich ihm dann die Nägel schneiden. Und wie Kinder mit „Zwei“ das nun einmal tun, sträubte er sich dagegen. Nägel müssen aber geschnitten werden und ich sann, wie das verzweifelte Mütter nun einmal tun, nach einer List. Spontan fiel mir der Friseur ein und ich sagte: „Dann gehen wir eben zum Friseur!“. Ohne einen widerstrebenden Mucks lies sich Sascha daraufhin die Nägel schneiden. Ungläubig und überrascht frohlockte ich über meinen Etappensieg. Ein paar Tage später mussten Haare gewaschen werden. Und auch das ist keine so erfreuliche Arbeit im Leben einer Mutter. Sascha reklamierte zornig, bis ich ihm anbot, zum Friseur zu gehen. Ohne Murren wurden die Haare sauber. Es war fantastisch, ich konnte es nicht fassen. Später, als ich ihm Nasentropfen eingeben wollte, löste ich seinen Widerstand indem ich freundlich fragte, ob das vielleicht lieber der Friseur machen solle. Seitdem stelle ich mich furchtlos jeder Herausforderung im Alltag. Fragt sich nur, was werden soll, wenn die Haare wieder zu lang sind. Vielleicht gehe ich dann einfach zum Fußpfleger, der setzt dem Friseur sicher die Krone auf. Zunächst kommt jedoch, ein Glück erst einmal der Weihnachtsmann oder eben auch nicht.

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