Nachhilfe - einige betrifft es schon vor der 4. Klasse, viele genau dann, wenn es darum geht, den Sprung auf’s Gymnasium zu schaffen und noch mehr in den höheren Stufen der weiterbildenden Schulen. Das Geschäft der kommerziellen Nachhilfeanbieter boomt. Fast jeder zweite Gymnasiast in der Mittelstufe (5. bis 10. Klasse) nimmt extra Lernstunden. Das geht aus dem neuesten Bildungsbarometer des Zentrums für empirische Forschung (Zepf) an der Universität Koblenz-Landau hervor. Sowohl in Grundschulen als auch in Gymnasien gehört Nachhilfe zum Alltag der Kinder – jeder zehnte  Grundschüler büffelt nach der Schule weiter. Hauptschüler hingegen greifen wesentlich seltener auf externe Lernhilfe zurück, auch, weil die Eltern diese teueren Leistungen finanziell gar nicht aufbringen können.
Für besonders ehrgeizige Eltern ist Nachhilfe sogar eine Art „Vorleistung“ – auch wenn das Kind keine schlechten Noten schreibt, lassen sie nachhelfen: die Noten sollen auf jeden Fall stabil bleiben. Die Erwartungen, die Eltern heutzutage in ihre Kinder setzen sind immens. Tatsächlich verhilft Nachhilfe zu besseren Noten und unter Umständen zu einem besseren Schulabschluss (auch in Klasse 11 bis 13 nehmen noch mehr als 20% der Schüler Lernhilfe in Anspruch). Schätzungsweise geben Eltern für bessere Noten ihrer Zöglinge ein bis zwei Milliarden Euro pro Jahr aus. Im internationalen Vergleich steht Deutschland nicht einmal an der Spitze. In Korea und Japan nehmen laut einer Studie des Forschungsinstitutes für Bildungsökonomie (Fibs) 50 bis 70 Prozent der Schüler Nachhilfestunden. Das Gegenteil in Kanada oder Holland: dort kommen Kinder und Jugendliche weitgehend ohne Nachhilfe aus.
Spitzenreiter der Nachhilfefächer ist Mathematik, gefolgt von Deutsch, Englisch und Latein. Die Welt der Zahlen und Formeln erschließt sich den Kindern nur schwer, was entsprechend verschiedener Schülerbefragungen zu einem großen Teil auch daran liegt, dass Lehrern im Erklären das nötige Gespür fehlt. Ganztagesschulen, konsequente Förderung eines jeden einzelnen Schülers könnten die Nachhilfe nahezu überflüssig machen. Doch dazu bräuchte es „eine andere Lehrerausbildung und Pädagogen eines neuen Typs“, meint Professor Rheinhold Jäger von der Uni Koblenz-Landau. Eltern – und Lehrerverbände sind der Meinung, dass Nachhilfe keine Normalität sein dürfte. Sie halten es für ein gesellschaftliches Armutszeugnis, dass viel Geld und Engagement kompensieren sollen, was die Schule an sich leisten sollte.
cos