Ich bin Mutter und ich bin es gern. Auch meine Kinder spielen mit Vorliebe Rollenspiele. Sie tun es, um ihre Umwelt zu verstehen und Erlebnisse zu verarbeiten. Da wir hier zu Hause nun mal jeden Tag Mutter, Vater und Kinder sind – ist es auch der Kinder liebstes Rollenspiel. Sie spielen „Mutter, Vater Kind“ im Wechsel mit „Kindergartenerzieher und Kindergartenkinder“ oder in Anlehnung an einige Urlaube auch ab und zu „Bauer und
Bäuerin“. Kommt die Frage „Spielen wir Mutter und Kind?“, stockt mir der Atem, da ich mit meiner Mutterrolle schon ziemlich ausgelastet bin und ich mich dann auch noch in die Vater- bzw. Geschwisterrolle hineinversetzen soll. Meist gelingt mir eine Ausrede. Wenn wir manchmal Besuch von anderen Müttern und ihren Kindern haben und dann die Aufforderung zum „Mutter-Vater-Kind-Spiel“ fällt, wird mir fast immer die Rolle der „Stiefmutter“ oder der „Tante“ zugeteilt, während die andere Mutter, die „richtige Mutter“ sein soll. Ich wundere mich zwar darüber, dulde es aber still. Neulich waren wir im Urlaub. Wir spielten am Pool und da das Thema „Schwimmen Lernen“ gerade aktuell ist, kamen die Kinder auf die Idee, „Schwimmlehrerin“ zu spielen. Wieder standen zwei Mütter zur Verfügung. Mir teilte man großzügig die Rolle der „Schwimmlehrerin“ zu, während die andere Mutter, sich mit dem Titel „Ersatzschwimmlehrerin“ abfinden musste. Ich war froh - endlich war ich einmal die Nummer 1. Vielleicht lag es daran, dass ich früher Leistungssportlerin war und noch immer sehr sportlich bin. Und die Kinder entscheiden sich bei ihren Castings für denjenigen in der Hauptrolle, der ihrer Meinung nach authentisch ist. Ich sollte mir also über meine Ausstrahlung als Mutter ernsthaft Gedanken machen.
cos