Die Kinder sind die ganze Woche bei der Oma. Es ist still hier zu Hause und obwohl ich arbeiten muss, verlaufen die Morgen wesentlich geruhsamer als sonst. Ich mache alles anders. Ich lasse mir Zeit, trinke Tee, höre Radio und ich gehe rechtzeitig aus dem Haus. All das ist wunderbar. Ich treibe den Zauber auf die Spitze und entscheide auf dem Weg zur U-Bahn, noch schnell bei meinem Lieblingsbäcker vorbeizugehen und mir eine Brotzeit für den Vormittag mitzunehmen. Jedes Mal, wenn ich den Bäcker betrete freue ich mich einfach nur über das duftende, üppige Angebot an Broten, Brötchen, Kuchen und Gebäck - vom Allerfeinsten. Was für eine Verschwendung, denn ich verlasse den Laden meist nur mit einem ordinären Brot beladen. Es ist als steckte in jedem Bäckerbesuch, die Chance für einen Neuanfang, für eine neue Erfahrung, von der man sich locken, aber nicht überrumpeln lässt. Und allein die Chance gehabt und das Potential, das Geheimnisvolle darin gespürt zu haben, macht glücklich.  Manchmal sind es nur die Möglichkeiten, die uns ein gutes Gefühl geben. Doch dieser philosophische Bäckerausflug geht zu weit. Eigentlich wollt ich erzählen, dass ich eine lange Schlange im Bäcker vorfand. Das ärgerte mich, denn die U-Bahn wartete nicht. Ich wurde ungeduldig. Bevor ich anfing mich missgelaunt zu fragen, was all diese Menschen zu dieser Zeit beim Bäcker wollten und warum sie nicht zu Hause frühstückten, entspannte ich mich. Ich atmete tief ein. Was sich da den Weg tief in mein Sinneszentrum bahnte war betörend. Es war die Mischung aus frischen feinen Backwaren und Kaffee. Ich dachte: Dieser Duft ist Leben, er lockt, er wärmt und er erfüllt mich. Für ihn lohnt es sich aufzustehen und es lohnt sich, ihn zu genießen, auch wenn es nur 5 Minuten in einer Schlange beim Bäcker sind.
cos