Ich habe es in der Hand. Zumindest ein bisschen. Ich habe es in der Hand, ob mein Sohn ein Macho oder ein Frauenversteher wird. So richtig klar war mir das bisher nicht, doch so langsam dämmert es. Im Grunde genommen müsste man an dieser Stelle im Sinne der Frauenbewegung voller Unverständnis die Hände an den Kopf legen und sich fragen, was all diese Mütter in ihrer grenzenlosen Liebe falsch gemacht haben, dass nach wie vor ein Großteil der Männer versucht, sich zuhause eine zweite Mutti zu halten, die ihm geduldig den Dreck, die herumliegenden Socken hinterher bzw. in die Waschmaschine trägt, seine Termine gewandt in den Kalender und wieder heraus bugsiert und – Sie werden es erraten – ihm am Abend das perfekte Menü serviert. Das Problem: Dass Männer dies versuchen, ist nicht ganz offensichtlich. Sie versuchen es unbewusst, durch die Hintertür – ich unterstelle nicht, dass sie dies absichtlich tun. Sie tun es trotzdem, selbst die intellektuelle Staffel ist nicht frei von solch genetisch bedingter Programmierung. Und die Frau? Entweder erfüllt sie diese Rolle oder nicht. Wie sich die Beziehung des Mannes dann zu ihr entwickelt, darüber soll an dieser Stelle nichts gesagt werden. Das Thema war ja, dass ich es in der Hand habe, ob mein Sohn seine Hemden selbst bügelt – und zwar auch dann, wenn er eine Frau oder Freundin hat. Es begann im zarten Alter von 3 oder 4. Mir fiel auf, dass meine Tochter grundsätzlich intensiver, bereitwilliger aufräumt, mir zur Hand geht, Dinge tut, die nicht unbedingt als erfüllende Kinderfreizeitbeschäftigung gelten. Mein Sohn hingegen drückt sich, wo er nur kann. Er braucht nervig viele Aufforderungen bis er endlich seinen Schlafanzug anzieht. Er schummelt beim Aufräumen derart, dass sein fabrizierter Aufräumrückstand immer auf die Schwester zurückfällt. Manchmal besticht er sie mit weiß ich was, dass sie alles für ihn aufräumt. Doch wehe er hat Lust, etwas zu tun. Dann besteht er penetrant darauf, auf der Stelle helfen zu dürfen. Ich ahne: Wenn ich all das passieren lasse, geschieht nichts Gutes. Stelle ich mich dagegen, bringe ich die Nerven auf, dulde ich nicht, fordere ihn liebevoll, kämpfe bis zum letzten Schweißtropfen, gibt es Hoffnung. Dieser pädagogische Aufwand gleicht dem Versuch, als sizilianischer Fischer die Steuererklärung für den beliebtesten Gelato-Laden am Ort zu machen – möglich, aber mühsam.
Neulich als ich ihn zu Bett brachte, ihm noch ein verliebtes Küsschen gab, sagte ich: „Stimmt’s Du suchst Dir mal eine Frau, die alles für Dich aufräumt?“ Er antwortete: „Das wär SUPER!“ Wenn er das nicht tut, im Gegenteil, eine Frau schätzt, die ihm nichts hinterhekehrt, dann habe ich gewonnen.
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