Die Ergebnisse der aktuellen World-Vision-Studie „Kinder in Deutschland 2010“ und des Familienreports 2010 des Familienministeriums liegen vor. Zur 2. World-Vision-Studie wurden 2500 Kinder zu ihrer Lebenssituation und ihrem Wohlbefinden befragt. Die große Mehrheit dieser Kinder ist mit ihren Lebensverhältnissen in Familie, Freizeit, Freundeskreis und Schule zufrieden und fühlt sich wohl. Aber es gibt auch Kinder, die bereits in frühen Jahren keine Zukunftsperspektiven sehen. Eine Vier-Fünftel Kindergesellschaft bei den Sechs- bis Elfjährigen scheint sich auszuprägen. Einem Viertel geht es gut, einem Fünftel schlecht. Das Fatale: Die Kinder aus dem kritischen Milieu schätzen ihre Zukunftschancen realistisch ein. Ihnen fehlt der Glaube, die Situation aus eigener Kraft verändern zu können. Viele werfen bereits im Grundschulalter das Handtuch. Es fehlen Rückhalt, gezielte Förderung und Anregung. Wenig hilfreich ist dabei der unkontrollierte und oftmals unbeschränkte Umgang mit Medien. Autor der World-Vision-Studie und Jugendforscher Klaus Hurrelmann bringt es auf den Punkt: Computer für Reiche, Gameboys für Arme. Mit welch medialem Spielzeug sich Kinder beschäftigen, hängt stark von der sozialen Herkunft ab. 2007 besaßen 36 Prozent der Acht- bis Elfjährigen ein Mobiltelefon, 2010 sind es 47 Prozent. Das Fernsehen steht an erster Stelle der genutzten Medien, es folgen Handy und Internet. Kinder aus der Ober- und oberen Mittelschicht haben leichter Zugang zum Internet, nutzen Kassettenrecorder, CD-Spieler und Radio. Kinder aus ärmeren Familien spielen häufiger mit Spielkonsolen oder Gameboys, neben aktivem TV-Konsum. Der Unterschied liegt im Bildungs- bzw. Unterhaltungswert des jeweiligen Mediums: Die einen unterhalten nur, die anderen vermitteln darüber hinaus Wissen oder verbessern kognitive Fähigkeiten. Kontrolle und Beschränkung des Medienkonsums sind ratsam – diese fehlen allerdings meist in ärmeren Familien. Kindern keinen Medien-Freifahrtsschein auszustellen, bedeutet, sie ernst zu nehmen. Kinder, die sich an Regeln halten müssen, fühlen sich anerkannt.
Der Familienreport 2010 des Familienministeriums gelangt zu ähnlichen Ergebnissen. Staatliche Unterstützung ist unverzichtbar. Sie trägt erheblich zur Senkung des Armutsrisikos bei: „Ohne die staatlichen Leistungen wären in Deutschland etwas doppelt so viele Kinder armutsgefährdet“, so das Ministerium. Auch beim Thema Betreuung decken sich die Aussagen von World-Vision-Studie und Familienreport: Zwar besuchen mittlerweile mehr Kinder in Deutschland eine Ganztagesschule. Dennoch mangelt es nach wie vor an ausreichenden und umfassenden Betreuungsangeboten. Noch dazu wo sich ein Trend weg von der Ein-Mann-Verdiener-Familie abzeichnet. Viele Großeltern übernehmen den Job des Babysitters. Besser ist es, wenn beide Eltern arbeiten - die doppelte Berufstätigkeit verhindert laut Report des Familienministeriums Kinderarmut. Ein großes Risiko, in die Armut abzurutschen, besteht in Haushalten mit nur einem Verdiener in Teilzeit. Der Ausbau des bundesweiten Betreuungsangebotes bleibt trotzdem vorerst Wunschdenken, wenn auch berechtigt. Die Sparzwänge der Bundesregierung gehen vor. Immerhin hält Familienministerin Kristina Schröder am geplanten Rechtsanspruch für einen Krippenplatz ab dem Jahr 2013 fest. 
cos