„Eltern unter Druck“ lautet der Titel einer aktuellen Studie der Konrad Adenauer Stiftung. Es ist die erste repräsentative Umfrage zur Lebenssituation von Eltern in Deutschland. Die Autoren der Studie interviewten Mütter und Väter zu den Themen: Anspruch an die Elternschaft, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Bildung und soziale Anerkennung. Unschönes Fazit: Wir leben in einer kinder- und elterunfreundlichen Gesellschaft. Die Kernaussage der Studie liefert also gleichzeitig einen guten Grund auszusteigen.

Ansprüche

Waren Kinder „früher“ Teil des Lebens, sind sie heute geplante Projekte. Nichts wird dem Zufall überlassen. Kinder kommen dann zur Welt, wenn sie in die Lebenssituation ihrer Eltern passen. Bei vielen Menschen passen sie schlicht und einfach nicht mehr in den Lebensentwurf. Das liegt zum einen daran, dass „Eltern sein“ nur ein Lebensmodell unter vielen ist und mit Sicherheit auch daran, dass die eigenen und die gesellschaftlichen Ansprüche an Eltern heutzutage enorm hoch sind: harmonische Partnerschaft, finanzieller Wohlstand, gute Erziehung und Ausbildung der Kinder.

Schulausbildung

Um ihren Kindern eine gute Schulausbildung zu ermöglichen, ziehen Eltern mit hohem Einkommen in ein besseres Wohnviertel. Die Gräben zwischen den sozialen Schichten vertiefen sich somit. Eine markante Trennungslinie verläuft beispielsweise zwischen Eltern, die sich aktiv um die Förderung ihres Nachwuchses bemühen und Eltern, die „es laufen lassen“. Durch die gegenwärtigen sozialen Umwälzungen orientiert sich die breite Mittelschicht neu. Sie investiert viel Zeit und Geld in die Ausbildung ihrer Kinder. Das Vertrauen in staatliche Schulen hat stark nachgelassen. Private Schulen, Kindergärten und andere Ausbildungsstätten haben deutlichen Zulauf – doch die sind teuer und nur für zahlungskräftige Einkommensgruppen attraktiv. Zusammengenommen hemmen diese Entwicklungen die Solidarität untereinander und führen zu drastischeren gesellschaftlichen Unterschieden.  

Druck

Auf Eltern lastet hoher Druck: Zeitdruck, Organisationsdruck und Leistungsdruck. Ein Drittel der Eltern fühlt sich im Alltag „fast immer“ gestresst, die Hälfte nimmt es etwas gelassener und fühlt sich nur „manchmal“ gestresst. Welche Faktoren führen zu den starken Belastungen? Für berufstätige Mütter und Väter sind es die Bedingungen einer modernen, flexiblen Arbeitswelt. Sie erschweren die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – es entsteht Organisationsdruck. Außerdem streben die meisten Familien nach finanzieller Absicherung und tun alles für eine überdurchschnittliche  Schulbildung ihrer Sprösslinge. Dafür schuften viele Väter bis spät in den Abend und in vielen Familien sogar beide Elternteile. Und nicht zuletzt setzt die Furcht vor dem sozialen Abstieg, viele Eltern unter Leistungsdruck.   

Was wünschen sich die Eltern?

Es gibt keinen allgemeingültigen Plan für Eltern. Dennoch sollte die aktuelle politische Diskussion nicht allein auf finanzielle Unterstützung und den Ausbau von Kindertagesstätten reduziert werden. Vielmehr wollen Eltern Wertschätzung und Anerkennung ihres Lebenskonzeptes. Sie fühlen sich immensen Erwartungen ausgesetzt und von Politik und Gesellschaft allein gelassen. Sie wünschen sich eine bessere Vereinbarkeit von Job und Familie, ein verbessertes Angebot der Kinderbetreuung, auch qualitativ, verbesserte öffentliche Bildungssysteme, ein breiteres Beratungsangebot und höhere finanzielle Wertschätzung.

cos