Es ist etwas ganz Normales, etwas Alltägliches: Jeden Morgen legt sich Papa ettliche Scheiben holländischen Käse auf sein Brot und isst ihn mit Lust und aus Überzeugung. Käse gehört in unseren Kühlschrank wie die „Tagesschau“ an den 20 Uhr-Sendeplatz. Und trotzdem, dass der Käse dem Papa offenbar jeden Morgen die Energie für den gesamten Tag gibt, seine Muskeln stählt und seine Laune hebt, ist Käse den Kindern nicht geheuer. Das bestätigt die Theorie, dass Abneigungen gegen bestimmte Dinge oder auch Lebensmittel gemeinsam mit einem Menschen auf die Welt kommen. Und es widerlegt die These, dass man den Kindern nur das Entsprechende vorleben bzw. voressen muss, um sie zu gut geratenen Allesessern zu erziehen. Zur extremen Käseantipathie gesellt sich bei meinem Sohn ein hartnäckiger Obst und Gemüse-Hass. Dennoch gebe ich mein Bestes und versuche ihm hier und da ein Stück Apfel oder Banane unterzujubeln. Seit dreieinhalb Jahren ohne Erfolg. Und man kann es wirklich Erfolg nennen, wenn man es geschafft hat, einem Kind eine bisher unliebsame Speise schmackhaft zu machen. Denn Abneigungen gehen nicht selten mit körperlichen Reaktionen einher. Deshalb gilt es sich zu schützen und wenn es sein muss auch vor Käse. Wie viel Mut und Überwindung es die Kinder kostet, Lebensmittel, denen sie abgeschworen haben, dennoch nah an sich heran zu lassen, und dass sie das aus Liebe schaffen, wurde mir vergangenen Sonntagmorgen klar. Ich liege noch im Bett, als sich eine leise Stimme an mein Ohr drückt: „Mama, wir haben Frühstück gemacht und Mama, wir haben uns sogar getraut, den Käse anzufassen!“. Großartig!
cos