Gerade erst geschenkt bekommen, hat das neue Buch schon Eselsohren und der schönen Sonderausgabe von „Nils Holgersson“ fehlt bereits eine Seite – das ist ärgerlich. Warum sind Bücher auch so empfindlich, wo es doch heißt: „Papier ist geduldig!“. Geduldig vielleicht gegenüber dem Geschreibsel eitler Möchtegernliteraten, nicht jedoch gegenüber der Experimentierfreudigkeit von Kindern. Am besten kommt jetzt „Kein Buch“ ins Haus – kein Witz! Das „Kein Buch“ verzeiht großzügig alles, was man mit einem Buch normalerweise nicht tun sollte – noch besser: Es fordert dazu auf: Bitte mit zermatschten Beeren darin malen, eine Seite als Handtuch benutzen, es über Nacht in den Kühlschrank legen und das Haustier daran nagen lassen. Mit Sicherheit spornt es Sie oder Ihre Kinder zu weiteren, außergewöhnlichen Versuchen damit an. Sie können es beispielsweise immer neben Ihre aktuelle Lektüre legen und es ersatzweise in die Ecke pfeffern, sollten Sie einmal wieder über sprachlich dünne Dichtkunst in Rasche geraten.
Die Rezensentin bei SPIEGEL ONLINE findet an dem Buch“ allerdings einen großen Nachteil: „Es steht so wenig zum Lesen drin.“
Mit „Kein Buch“ setzt sich vermutlich ein Trend fort, der mit „Kein Ohr Hasen begann“ – und jetzt bitte KEIN ABER.
cos

Mixtvision Verlag, 176 Seiten