Ich bin rothaarig. Es ist gar nicht so leicht, rothaarig zu sein. Sobald mein Bewusstsein einsetzte, so ungefähr mit 3 oder 4 Jahren, bemerkte ich, dass an mir etwas ungewöhnlich ist. Im Kindergarten wurde ich gehänselt und als „Kupferlocke“ oder „Pumuckl“ verspottet. Das war nicht schön. Als ich älter wurde, wurde es noch schlimmer. Gutes Aussehen und Attraktivität wurden wichtiger. Die Jungs wollten blonde Mädchen und mein Selbstbewusstsein schwand mit jedem Tag. Das ging sogar soweit, dass ich mir frühe, graue Haare wünschte. Dann, als ich 14 war, wendete sich mein Schicksal. Die Haare wurden beliebter und auch die Jungs hatten mittlerweile so viel Selbstbewusstsein, eine Rothaarige an die Hand zu nehmen. Heute stehe ich jeden Tag ängstlich, in Erwartung der ersten grauen Haare vor dem Spiegel. Noch bin ich verschont und kann die Haarfarbe genießen. Vor allem neulich: Ich brachte meinen kleinen Sohn in die Kinderkrippe und plötzlich kommt ein Stöpsel auf mich zu. Auch sonst bezirzt mich dieser junge Herr über die Maßen und diesmal sagt er: „Ich liebe deine Haare!“. „Oh!“, denke ich und freue mich über die Weltgewandtheit dieses kleinen Mannes. Die Kinder von heute sind wirklich schon sehr weit!
cos