Neulich in einer sehr behaglichen kleineren Stadt in Deutschland: Gemeinsam mit einer Freundin verbrachte ich das Wochenende in dieser Stadt. Wir freuten uns auf Ruhe vor den Kindern, vor dem Job, vor der strengen Alltagsdiktatur. Fein, da waren wir. Übernachteten in einem ausgezeichneten Hotel mit französischem Charme, durchstreiften die kleinen Gassen der Stadt und versumpften im Buchladen. In einem Café begegne ich der Freundin einer Freundin, die jetzt in dieser kleinen Stadt lebt und die ich von einigen Partys kenne. Wir plaudern kurz bestaunen den Zufall, uns hier getroffen zu haben und plaudern noch ein bisschen. Ich weiß nicht mehr warum, aber plötzlich kommen wir auf ihre Hochzeit zu sprechen. Ich frage Paare öfter nach ihren Hochzeiten oder Heiratsplänen – das interessiert mich. Die Freundin meiner Freundin und ihr Freund geraten mächtig ins Schwärmen. Erzählen von diesem tollen Tag und dass sie auch heute noch oft daran denken, wie beflügelt sie waren und der Tag sie offenbar noch immer durchs Leben trägt. Das war ja alles ganz nett. Ich freute mich mit den beiden, als wäre es meine eigene Hochzeit gewesen. Doch plötzlich zückte der Freund sein i-Phone und zeigte mir zu den Klängen eines Liedes, das ich nicht mag und dem Gesang eines Sängers, den ich genauso wenig mag, das Hochzeitsvideo. Es begann und ich dachte: lieber Gott, mach, das es nicht so lang läuft. Aber es lief lang. Ich bekannte „Oh, schön!“, „Huch, wie toll!“ und „Mensch, ist das klasse!“ – und rang um weitere Ausdrücke der Anerkennung. Es war fürchterlich. Ich verfluchte mich, aber vor allem verfluchte ich das i-Phone. Allein durch dessen Existenz war ich gezwungen, mir auf dem Rathausplatz einer fremden Stadt das Hochzeitsvideo fremder Leute anzusehen. Aber was hätte ich machen sollen?
Erzählen Sie uns auch ein i-Phone-Erlebnis?
cos