Donnerstag ist Musikschultag. Oft komme ich mir beim Herumhopsen und alberne Verse singen ein wenig unbeholfen vor, aber was soll’s, dem Kleinen macht die Stunde Musizieren sehr viel Spaß. Also gehen wir hin. Vergangenen Donnerstag bat die Lehrerin, wir sollten für die nächste Stunde Kücheninstrumente von zu Hause mitbringen, beispielsweise Topfdeckel und Schneebesen. Da wir an diesem Tag nicht da waren und uns niemand informiert hatte, hatten wir natürlich auch keine Küchenmusikinstrumente dabei. Halb so schlimm, denn in der Musikschule gab es eine kleine Küchenzeile mit ausgewähltem Hausrat. Dort suchten wir uns einen Löffel und ein dickes Glas. Damit schepperten wir dann, neben allerlei anderen Klappergeräuschen fröhlich herum. Als wir uns später mit Trommeln beschäftigten, stellte ich Glas und Löffel auf das Fensterbrett an der Seite. Selbstverständlich mit dem festen Willen, beides anschließend wieder aufzuräumen. Die Stunde war zu Ende und ich dachte nicht mehr an unsere geliehenen Instrumente. Heute Morgen, einen Tag später, sitze ich am Frühstückstisch und mein kleiner Sohn kommt aus seinem Bett, direkt in die Küche geschlurft. Ich nehme ihn in den Arm und sage: „Guten Morgen!“, statt mir zu antworten, reißt er seine großen braunen Augen weit auf und sagt: „Mama, weißt Du, wir haben vergessen, das Glas aufzuräumen!“. Stilles Erstaunen! Ich denke an meine schriftlichen Prüfungen und wie mir am Abend danach oder noch später, mitten in der Nacht, plötzlich alle Fehler wie Schuppen von den Augen fielen.
Es ist wohl so - tief in unserem Inneren wissen wir glasklar, was richtig ist.
cos