„Geschafft!“, atmet eine Mutter aus und sinkt nur wenige Sitzplätze neben mir, erleichtert in einen Stuhl des Kindertheaters, kurz bevor die Vorstellung beginnt. Normalerweise ist das meine Rolle, knapp oder zu spät zu kommen und mit letzter Kraft „Geschafft!“ zu hauchen - heute jedoch war ich gut, ich war nicht nur pünktlich, ich war überpünktlich und gelassen. Zwischen „Geschafft“ und „Gelassen“ schwingt das Pendel hin und her und hin und her. In meinem Leben steht der Zeiger jedoch häufiger auf „Geschafft“. Es beginnt früh: Ich stehe auf, strudele durch den morgendlichen Ablauf, fahre die Kinder zum Kindergarten, erreiche ihn pünktlich und juble das erste Mal „Geschafft!“. Anschließend fahre ich weiter zur Arbeit, komme trotz Stau rechtzeitig ins Büro, sehe auf die Uhr und denke „Geschafft!“. Zwei Uhr, ist Arbeitsschluss – „Geschafft!“. Ich eile zurück zum Kindergarten. Bis drei Uhr muss ich die Kleine abholen. Es ist halb 3. Eigentlich könnte ich jetzt gelassen sein, aber ich muss auch noch den Kleinen abholen. Also dränge ich weiter und bin froh, als ich rechtzeitig in der Krippe bin – „Geschafft!“. Mit beiden Kindern im Auto, fahre ich zum Einkaufen. Natürlich wollen sie mit hinein in den Laden und einen Einkauf von normalerweise 10 Minuten auf 30 Minuten ausdehnen. Als ich es „geschafft“ habe, ihnen die Zeitersparnis von 20 Minuten logisch zu erklären, sind sie bereit, im Auto zu warten. Zu Hause angekommen, die Einkäufe in den 5. Stock geschleppt – habe ich den Tag noch lange nicht „geschafft“. Bis die Kinder gegen acht schließlich zufrieden im Bett liegen, gibt es noch viele Hürden aus dem Weg zu schaffen. Im Rückblick war der Tag demnach nur ein Hangeln von einem „Geschafft!“ zum nächsten. Doch was wäre ich ohne „Geschafft“?  Denn - es sagen zu können, ist die Siegerehrung für jeden Etappensieg, ist der Ein-Mann-Applaus für die kleinen Erfolge, die sonst keiner honoriert und ist auch jedes Mal ein kleiner Moment Gelassenheit. Und am Ende der meisten Tage, wenn ich endlich gelassen sein könnte, erhält das Wort eine weitere Bedeutung – dann bin ich nämlich „GESCHAFFT“.
cos