Es ist ein lauer Sommerabend. Wir sitzen in einem kleinen Café an einem kleinen Platz im Szeneviertel von München. Alle scheinen zufrieden über die Wärme des Abends, genießen einen guten Wein und plaudern. Mit anderen Worten: alles ist irgendwie gut. An dem kleinen Platz parken auch Autos, unter anderem das Auto der Inhaberin des Cafés. Sie hat es dort nicht etwa abgestellt, um den Weg zur Arbeit abzukürzen, was man ihr nicht verdenken könnte, sie hat es dort abgestellt, um einer Bekannten den Parkplatz frei zu halten, die dort zeitig am nächsten Morgen schweres Gerät für einen Filmdreh abladen muss. Aus einem mir nicht bekannten Grund, ist Parken dort nicht erlaubt oder spät abends nicht mehr erlaubt – es stehen dennoch viele Autos dort und es wirkt, als wäre es möglich, dort zu parken, ohne sich Probleme mit der Polizei einzuhandeln. Plötzlich taucht ein Polizist auf, der beflissene Staatsdiener zückt sein Arbeitsgerät und tippt emsig Fahrzeugnummern hinein, um anschließend Strafzettel hinter die Scheibenwischer zu klemmen. Die sehr freundliche Besitzerin des Cafès geht auf den Polizisten zu, erzählt ihm, warum sie dort parkt und bittet darum, Milde walten zu lassen. Der Herr bleibt eisern und generiert den Strafzettel ohne mit der Wimper zu zucken. Ich stelle mir vor, auf einer Piazza in Italien zu sitzen und bastle eben jene Situation in die italienische Kulisse. Der Carabiniero würde wohl auf Bitten der charmanten Café-Inhaberin erweicht lächeln, mit einem autoritären „Va bene, Seniora!“ die Machtverhältnisse klären und sich dann auf einen Cappuccino einladen lassen. Der deutsche Polizist hingegen, bringt es nicht übers Herz, menschlich zu sein und Gnade vor Recht ergehen zu lassen. Als würde er aus der Ferne observiert, als würde sein Vorgesetzter neben ihm stehen und ihm auf die Finger schauen, erledigt er seine Arbeit ohne eine Spur Mitgefühl. Und das mitten an einem lauen Sommerabend.
cos

(Foto: PIXELIO)