Früher – sagen wir vor 15 Jahren – feierten Kinder ihren Geburtstag unschuldig. Es geschah an ganz normalen Wochentagen, oftmals am Geburtstag selbst. Einige Kinder kamen vorbei. Man trank gemeinsam Kakao, aß ein Stück Marmorkuchen, spielte Topf schlagen, Eier laufen, Reise nach Jerusalem oder Sau schlachten. Dann war es auch schon 18.00 Uhr. Man setzte sich nochmals zu Tisch, um gemeinsam Wiener Würstchen zu essen. Dann gingen die Besucher wieder nach Hause oder wurden abgeholt. Das war’s. Na und? Was ist daran eigentlich so verkehrt, dass sich Eltern zu Anfang des 21. Jahrhunderts im Kindergeburtstagsprogramm derart überbieten, dass zum 14. Geburtstag lediglich die kollektive Bezwingung des Mount Everest als Steigerung bleibt? Nicht nur in den Inhalten der Feiern selbst topt man sich von Jahr zu Jahr. Auch die Anzahl der Besucher scheint sich in die Höhe zu schieben. Kein Wunder, dass Mutter und Vater vor Festen in der eigenen Wohnung zurückschrecken, geschweige denn die Feier an einem banalen Tag unter der Woche ausrichten. Das, könnte man sagen, ist ja auch jedem selbst überlassen. Wollen wir mal nicht kleinlich sein. Aber wenn Einladungen ins Haus flattern die vorgeben, sich samstags vormittags um 11.00 Uhr im 30 Kilometer entfernten Indoorspielplatz einzufinden oder am Samstagmittag um 12.00 Uhr am eine Stunde S-Bahn-Fahrt entfernten Flughafen fragt man sich: Was ist passiert? Und: Muss das sein?
cos