Yoga für die Kleinen oder ein wenig autogenes Training - womit soll man schließlich die freien Nachmittage füllen, wenn nicht mit sinnvollen Beschäftigungen, die gleichzeitig ausgeglichene, statt zappelige Kinder versprechen. Was gut für Erwachsene ist, kann Kindern nicht schaden. Yoga für Kinder entwickelt sich in Deutschland zu einem Trend. Erste empirische Studien an der Universität Leipzig zum Yogaeffekt ergeben, dass Konzentrationsvermögen und Selbstbewusstsein gesteigert werden können. Aber nur, wenn Kinder von professionellen Yogalehrern angeleitet werden. Und da liegt das erste Problem. Eine Ausbildung zum Yogalehrer variiert zwischen 2 Monaten und 3 Jahren – Yogalehrer ist kein anerkannter Beruf. Auf jedem Zertifikat steht am Ende das Selbe, egal wie viel Zeit man in die Ausbildung investiert hat. Wie will man also überprüfen, ob der Lehrer jetzt ein guter, ein mittelmäßiger oder gar ein schlechter ist? Nächstes Risiko beim Kinder-Yoga: Das Alter. Experten finden, dass Yoga ab 5 Jahren überhaupt erst Sinn macht. Andere legen die Messlatte bei 10 Jahren an. Erst dann wäre das Gehirn soweit, Atmung und Meditation zu steuern. Kinder konzentrieren sich insgesamt kürzer, sie schalten den Geist zwar schneller ab und gelangen so leichter in den Zustand, den Erwachsene sich mühsam erarbeiten müssen. Von Dauer ist er allerdings nicht und darauf kommt es bei der Meditation schließlich an. Dritte Schwachstelle ist die eventuelle Überbeanspruchung von Gelenken. Angeblich hilft Yoga manchen Kindern mit ADHS. Dennoch: Gehen Sie mit Ihren Kindern lieber auf den Spielplatz zum Toben, Banden gründen, Verstecken Spielen und Fangen. Dreck verschmierte Gesichter, schmutzige Hände, die Jackentaschen voller Kastanien und Grasflecken auf der Hose: Das sind die Zeichen einer glücklichen Kindheit.
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(Quelle: SPIEGEL.DE; Foto; Pixelio)