Es war kurz vor fünf. Die Kinder spielten vertieft, als es an der Tür klingelte – die Nachbarin fragte, ob wir kurz auf ihr Kind aufpassen könnten. Kein Problem, herein mit dem Fratz, sind es eben vier – auch schon egal! Nina und ich plauderten weiter ungestört in der Küche, während wir wie gewöhnlich nicht untätig herumsaßen. Sie zauberte ein wunderbares Tiramisu für ihren Vater und ich saß herum. Währendessen lief der Minutenwecker für einen Kuchen, der wiederum 2 Stockwerke über uns prächtig aufging. Ich hatte Geburtstag und wollte meinen Kollegen zeigen, dass ich nicht nur eine hochflexible Teilzeitmutter, sondern auch eine, mit allen Abwaschwassern gewaschene Hausfrau und obendrein eine hervorragende Bäckerin war. Alles lief wie geschmiert. Die Kinder waren zufrieden und wir waren die perfekten Mütter und Hausfrauen. Vom Eifer gepackt beschlossen wir zudem ein Vollbad für alle Kinder, einschließlich Haare Waschen. Ich lief nach oben in die Wohnung, packte Bademäntel und Schlafanzüge ein, und nahm auch gleich den Kuchen aus dem Ofen. Dann lief ich wieder nach unten. Es war herrlich uns zu zusehen – ein geschmeidiges „Hand in Hand“. Ohne viele Worte warfen wir uns die Bälle zu. Da war nur ein kleiner Haken. Ich musste noch einen zweiten Kuchen backen – denn es waren viele Kollegen. Ich sah mich kurz vor Mitternacht gähnend und uninspiriert einen weiteren Teig einrühren. Die Vorstellung quälte mich so sehr, dass ich Nina davon erzählte. Nina, das muss ich an dieser Stelle erwähnen, ist eine von den Müttern, die mich mit Selbstzweifeln und der Frage beschäftigen: „Wie schafft sie nur alles so vollendet!“.  Als ich ihr von meinem Kuchenproblem erzählte, lächelte sie nur lässig und schlug vor, den Kuchen noch schnell nebenher zu backen – die Kinder weichten derweilen in der Badewanne auf. Also gut! Ich rannte wieder die Treppen rauf, holte Zucker, Eier, gemahlene Mandeln und Butter. Nina hatte inzwischen alles vorbereitet und die Schokolade für den Kuchen schmolz bereits vorbildlich im Topf. Den Kindern hatte sie natürlich schon die Haare gewaschen. Ich keuchte. Wir kannten beide das Rezept, schütteten schnell alle Zutaten zusammen, verrührten sie und packten die Reste fein säuberlich zurück in die Tasche. Wie gesagt - wir waren vollkommene Hausfrauen und fürsorgliche Mütter. Mit den duftenden Kindern und dem fertigen Kuchenteig kam ich glücklich oben an. Nachdem ich die Kleinen ins Bett gesteckt hatte, füllte ich den Teig in die Backform. Irgendwas stimmte mit der Menge nicht. Kennen Sie das - Ihre innere Stimme lärmt und drängelt, sie hören sie und reagieren einfach nicht? Ich freute mich nur, dass die Kleinen selig schliefen und der Kuchen behäbig vor sich hin backte - ein Hausfrauentraum. Als ich jedoch nach dem Kuchen sah, wunderte ich mich - er warf seltsame Blasen. Ich beobachtete ihn noch eine Weile skeptisch, bis mir klar wurde, dass wir die Eier vergessen hatten. Nur die Eier vergessen und der Kuchen war perdu, nicht mehr vorzeigbar.
Sicher lag es daran, dass wir durch das vorangegangene Osterfest erstmal genug von Eiern hatten. Oder sollte man vielleicht doch lieber nicht ganz so viele Dinge auf einmal tun?
cos