Sollten wir uns langsam stellen. Und Antworten dafür suchen, dass Männer in unserer Gesellschaft sprichwörtlich unter zu gehen drohen und es den Anschein macht, als gäbe es für ihren Erhalt nur die Möglichkeit, weiblich zu sein. Laut KiGGS-Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, der Shell-Jugendstudie 2006 und der World Vision Kinderstudie 2007, haben Frauen mittlerweile in allen möglichen Lebensbereichen die Nase vorn; Bildung, Gesundheit, Lebenserwartung: Mädchen sind besser in der Schule, mittlerweile auch in den "klassischen "Jungs-Fächern“ wie Mathematik. Mädchen machen häufiger Abitur und studieren, Jungs schmeißen häufiger die Schule. Frauen rauchen weniger als Männer, nehmen nicht so häufig Drogen, leiden nicht so sehr unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, und sie leben länger. Frauen sind seltener kriminell. Das an sich ist nicht verkehrt und auch ein Verdienst der in den 60er Jahren etablierten Frauenförderung. Doch droht die angestrebte Balance zu kippen, noch bevor überhaupt ein Gleichstand erreicht werden konnte. Die Studien ergaben darüber hinaus, dass Frauen flexibler sowie anpassungsfähiger sind, die effektiveren Strategien für das Leben entwickeln und somit alltäglichen Herausforderungen besser begegnen können. Männer durchschauen Spielregeln langsamer, reagieren mit Frust, Verweigerung, Rückzug oder nach außen gekehrter Aggression auf das Gefühl, abgehängt zu werden. Zudem halten viele Männer noch immer an alten Rollenbildern fest: Karriere steht an erster Stellen, Familie ist okay, aber bitte nicht auf Kosten des beruflichen Aufstieges. Machen Frauen Karriere und besetzen Chefposten, werden sie bejubelt - Männer in Frauendomänen hingegen, als Weicheier abgestempelt; und das ist die Crux. Die gesellschaftliche Anerkennung muss sich in beide Richtungen entwickeln. Frauen in „Männerdomänen“ sind bewundernswert, Männer in „Frauendomänen“ sind es ebenso. Doch Männer haben keine Lobby und keine politischen Fürsprecher. Wie auch, wenn selbst Altkanzler und Haudegen Gerhard Schröder Familienpolitik als „Gedöns“ abtut. Jungs sind anders als Mädchen, das ist nun einmal so. Punkt! Männer sollten ermutigt werden, ihre Rolle zu erweitern und sich Fähigkeiten jenseits des klassischen Männerbildes anzueignen. Dennoch sollten sie beispielsweise in der Schule ihre Körperlichkeit und Aggressionen einbringen dürfen, Extra-Hilfe in Selbstorganisation sowie klare Spielregeln erhalten. Erreichbar wäre dies, z.B. durch eine öffentlich geförderte Aufwertung des Lehrerberufes und die Steigerung der Quote männlichen Lehrpersonals - männliche Vorbilder im Bildungssektor sind rar (das beginnt bereits im Kindergarten). Auf die Eigenheiten von Jungs muss Rücksicht genommen werden. Die entscheidenden Fragen des Lebens, Zusammenlebens und zur Überwindung geschlechtlicher Gegensätze nur einseitig zu betrachten, ist ungefähr so, wie die Rechnung ohne den Wirt zu machen.
cos