Kennen Sie diese Einrichtungsgegenstände, die man sich einfach nie in der eigenen Wohnung vorstellen kann? Bei manch einem ist das der Schaukelstuhl, beim anderen die Wohnzimmerwand in Eiche rustikal. Bei mir waren das lange Jahre Vorhänge - getoppt werden konnte das nur von Scheibengardinen. Für mich der Inbegriff der Spießigkeit. Ich habe für diesen Beitrag gerade eben mal kurz bei Google geschaut, wer die Scheibengardine erfunden hat. Kein Treffer. Aber mal unter uns, ich würde es auch nicht zugeben…

Wer die Vorhänge schließt, der sperrt das Licht aus und hat doch irgendetwas zu verbergen, so dachte ich immer. Wie herrlich ich große, offene Fensterfronten fand, wurde mir in jedem Urlaub bei den Niederländern bewusst - und davon gab es viele. Nun, während ich beim Thema Privatsphäre vor Jahren noch nur an Facebook und Co. dachte, musste ich mir nach einem Umzug vom 2. Obergeschoss ins Reihenmittelhaus samt Garten und bodentiefen Fensterfronten die Frage stellen, ob das vorhangfreie Leben nicht vielleicht von außen besser aussieht als es sich von innen anfühlt. Im Schlabbershirt am sonntäglichen Frühstückstisch siehts bei mir einfach nicht aus wie im Wohnmagazin.

Nach monatelangem Kampf zwischen dem Spießer und dem Revolutzer in mir, gab ich auf. Ich bestellte sie online (Es gibt Dinge, die kauft man lieber anonym…) und hängte sie ins heimische Wohnzimmer. Ein halbes Jahr später folgten sogar noch Fenstervermummungstextilien im Schlafzimmer, aber da sind die bodentiefen Fensterfronten ja auch wirklich ein Zeichen für den besonderen Humor des Architekten. Mir war klar, ab jetzt könnte ich auch Gesundheitslatschen tragen und Schlager hören, so sehr war ich draußen aus der Welt der lässig puristischen Einrichtung. Vorhänge sind einfach nicht cool.

Nun, ich bin keiner Selbsthilfegruppe beigetreten, noch spreche ich besonders oft über die Vorhänge. Sie sind einfach da. Wie die Spüle in der Küche, bei der man sich auch nie wirklich fragt, ob man sie als Einrichtungsgegenstand schön findet; man braucht sie einfach. Daneben weiß ich es mittlerweile sehr zu schätzen, dass man mir auch nach dem Wochenputz nicht quer durchs Zuhause schauen kann.

Wenn ich darüber nachdenke, ist es doch eigentlich fast lustig, dass ich bei einem Onlineshop arbeite, der so viel Schönes fürs Zuhause anbietet, aber neben ein paar witzigen Gardinen im Japan-Style überhaupt keine Vorhänge im Angebot hat. Man könnte fast sagen: Hier bin ich richtig. :)

 

Wie geht's Ihnen? Haben Sie auch die ein oder andere Hassliebe in Ihrem Haus? Mussten Sie auch Wohnkompromisse eingehen? Ich bin gespannt…