Der Kaffee war aus oder die Milch oder die Kinder wollten an diesem heißen Nachmittag ein kaltes Eis – auf jeden Fall musste ich kurzfristig in den Supermarkt um die Ecke. Zugegeben zählt dieser Laden nicht zu meinen bevorzugten Geschäften, nicht wegen der Produkte, die es dort zu kaufen gibt, sondern wegen der Enge, die Klaustrophobikern den Schweiß auf die Stirn treibt und meine Menschenfreundlichkeit auf die Probe stellt. Jedes Mal, wenn ich dort einkaufe, stoße ich mindestens zehn Leuten ans Gesäß, verrücke zigtausend Mal ungünstig abgestellte Einkaufswagen und puffe gegen aufgestapeltes Toilettenpapier. Einmal ganz davon abgesehen, dass pro Einkauf mindestens zehnmal ein Wagen an meinem Hintern stoppt. Es ist zum Heulen. Meist stehe ich dann auch noch stundenlang an der Kasse und verlasse entnervt das Geschäft. Diesmal war der Laden leer. Ruckzuck stand ich an der Kasse und wollte meine Waren aufs Band legen. Vor mir war eine Frau an der Reihe, sie zahlte bereits. Ich wunderte mich, dass ich nicht ausreichend Platz fand, um endlich das leere Kassenband zu erreichen, bis mein Blick auf den Einkaufswagen fiel. Er war neu. Ich traute meinen Augen nicht, das war kein Einkaufswagen, das war ein Monster, dahinein konnte man VW-Busse legen, aber nicht harmlos kleine Stückchen Butter. Entsetzlich. Gelähmt starrte ich auf den Koloss und überlegte, warum um alles in der Welt, man derart dicke Körbe benötigt – gefräßiger Kapitalismus, eine Erleichterung für Familien mit vielen Kindern, für Menschen, die nur einmal in vier Wochen einkaufen? Ich weiß es nicht. Und ich finde, die Körbe, die es bisher dort gab, waren schon recht stattlich. Fraglich bleibt, warum der Filialleiter, sich zu solch einer Maßnahme hat hinreißen lassen, wo er doch weiß, dass jeder Millimeter zählt. Vielleicht hofft er, dass zukünftig mehr Wagen als Menschen durch die Gänge seines Marktes rattern – denn die bleiben friedlich, wenn sie aneinander stoßen.
cos

(Foto: Pixelio)