Kaum ist man fertig, entsteht sie neu: die Hausarbeit. Türmen sich Berge schmutziger Wäsche, sammeln sich etliche Stücke benutzten Geschirrs in der Spülmaschine und rufen nach vollendeter Wäsche in guter Frau Holle-Manier: Hol uns hier raus, sonst macht’s ja keiner! Erblickt man zerknautschte Kopfkissen und Bettdecken durch den Türspalt und vernimmt den Auftrag zum Aufschütteln und Drapieren. Erinnern Staubflusen daran, dass deren letzte Tilgung durch den Staubsauger bereits zwei Tage her ist. Einmal ganz abgesehen von all dem Unrat der sich in Waschbecken, Spülbecken und anderen Becken sammelt. Aller Dreck und Schmutz, alle Unordnung braucht eine strenge Hand, sonst wird das nichts, sonst tanzt der Dreck einem am Ende auf der Nase herum. Also schimpfen wir. Schimpfen auf diese niemals endende, sich immer wieder neu entwickelnde Arbeit im Haushalt, nennen es Hamsterrad und undankbar, setzten Personen ein, die statt unser dem Schmutz den Garaus machen. Aber jetzt mal stopp. Die arme Hausarbeit, was kann denn die Hausarbeit dafür, dass wir Menschen sind, dass wir in unseren Wohnungen und Häusern leben, dass wir unter Umständen unsere Kinder nicht so erziehen, dass sie sich an der Verteidigung von Sauberkeit und Ordnung beteiligen? Gar nichts kann sie dafür. Sie ist einfach da und wir verfluchen sie. Statt ihr dankbar zu sein. Dankbar für all die Chancen, die sie uns ermöglicht. Die Chance auf Erfolgserlebnisse und Machtgefühle, die Chance auf das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben. Gar nicht zu reden von den Momenten ehrlicher Handarbeit im Zeitalter uns überrumpelnder Internetgeschwindigkeiten. Mit anderen Worten: Hausarbeit ist kein Spaziergang, aber, sie hat das Zeug zum Therapeuten. Denn wer seinen Haushalt im Griff hat, wer es immer wieder schafft, zur rechten Zeit, alles fertig zu haben und alle gestellten Pläne zu erfüllen, der fühlt sich doch eigentlich auch irgendwie gut. Fühlt sich wie jemand, der etwas schaffen kann. Und ohne diese Arbeit, die sich immer wieder neu stellt, könnte sich so mancher nicht beweisen, was er drauf hat. Also liebe Hausarbeit, Du könntest Dich in Zukunft ein bisschen mehr zurückhalten, aber ansonsten bist Du eigentlich doch auch in Ordnung.
cos