Ich verstehe nicht, wie sich Millionen Menschen täglich heißen Kaffee in Pappbechern kaufen, ihn anschließend durch die Straßen tragen und durch die schnabeltassenähnliche Öffnung eines Plastikdeckels zu sich nehmen. Schlimmer ist nur noch die Variante „Thermo-Kaffee-Tasse“ – damit outet sich der Coffee-to-go-Trinker zwar als umweltbewusst, gleichzeitig jedoch auch als Sparfuchs, denn sonst hätte er sich den Kaffee für unterwegs in einem Starbucks-Coffee-Shop gekauft – der Kaffee dort ist gar nicht mal so schlecht. Sieht man den Coffee to go als Möglichkeit zur Effizienzsteigerung im urbanen Millieu, so sollte man das „System“ auch konsequent bis zum Schluss durchziehen. Wer die Zeit spart, den Kaffee Zuhause zu trinken, der spart eigentlich auch Zeit und Energie, die Kaffemaschine anzuwerfen. Ich verstehe nicht, wie man die Coffee-to-go-Kultur einer Frühstückskultur vorziehen kann, in der man in Ruhe am Frühstückstisch sitzend, einen guten Kaffee aus einer Porzellan- oder Keramiktasse trinkt und so den Tag entspannt beginnt. Obwohl man sich das Wörtchen "entspannt" heutzutage bei jeder Gelegenheit gebetsartig weiterreicht, will die Coffee-to-go-Gesellschaft beim Thema Kaffeetrinken nichts davon wissen. Denn es ist nun mal kein Vergnügen, heißen Kaffee durch die Gegend zu balancieren, ihn beim Gehen zwischen die Finger zu kleckern, sich gar die Zunge an ihm zu verbrennen und sich dann auch noch mühsam nach einem Papierkorb umsehen zu müssen, um das lästige, leere Pappding wieder los zu bekommen. Gemäß der Redensart: „Alles hat zwei Seiten“ möchte ich allerdings auch eine Lanze für den unterwegs-Kaffee brechen. Heute Morgen stieg ich in die U-Bahn, müde Gesichter und muffigen Geruch erwartend. Stattdessen empfingen meine Geruchssensoren, dank eines Coffee-to-go-Bechers irgendwo zwischen den Sitzen, frischen Kaffeeduft. Kaffeearoma am Morgen ist Glück und allemal besser als der Mief müder Morgenmuffel. Also: Pluspunkt für den Coffee to go.
cos