Wir bummeln durch ein weltbekanntes Bekleidungsgeschäft, in dem es auch jene geschmacksbedingten T-Shirts mit Spiderman- oder Kitty-Aufdrucken gibt. Und wie im Leben, so kommt man auch hier nicht ungesehen an den motivträchtigen Dingern vorbei. Immerhin - bis zum Kindergartenalter ist es gut möglich, seine Kleinen vor derartigen Angriffen auf die Fantasie zu schützen. Wie gesagt, wir laufen durch dieses Geschäft und der 3-Jährige ist entzückt von einem Spiderman-Shirt. In seinem zarten Alter bereits von Allmachtsfantasien und Hormonen gerüttelt, zeigt er darauf und sagt, dass er es haben möchte. Wir sehen uns an. Eigentlich ist klar, dass wir keine Spiderman-Aufdrucke in unserem Kleiderschrank dulden, doch die großen braunen Augen schauen so sehnsuchtsvoll, dass wir kurz schwach werden. Man könnte doch eine Ausnahme machen - immer alles zu verbieten, erzeugt vermutlich das Gegenteil von dem, was man anstrebt. Doch unter uns: Das Shirt war grauenhaft – mit einem lauten WHAMMM oder so fällt Spiderman auf sein Hinterteil, nachdem er wahrscheinlich durch einen waghalsigen Sprung und mehreren Loopings 20 Menschen aus einem brennenden Wolkenkratzer gerettet hat. Milde, unmotivierte Versuche, ihn umzustimmen, scheiterten. Er bettelte weiter, bis mein Liebster plötzlich auf die geniale Idee kam, an die Friedfertigkeit des Kindes zu appelieren. Er sagte: „Schau doch mal, der Spiderman fällt auf den Po und das tut ihm ganz arg weh, Du möchtest doch sicher nicht jeden Tag mit so einem Bild herumlaufen, der arme Spiderman!“ Der Kleine stutzte und sah im Handumdrehen ein, dass ein T-Shirt mit einem verletzten Helden wie eine Pizza ohne Boden ist und so marschierten wir unversehrt wieder aus dem Bekleidungsgeschäft hinaus.
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