Woher kommt moralisches Empfinden? Wann fängt es an? Wann erlernen Menschen die Fähigkeit zu unterscheiden, was gut und was böse ist? Allesamt bedeutende und bisher nur unvollständig geklärte Fragen. Auf der Website von Telepolis, in der Rubrik „Kind und Familie“ erschienen nun die Ergebnisse einer Studie über moralisches Empfinden bei Babys, die im Wissenschaftsmagazin „Nature“ teilweise veröffentlicht wurden. In einem Experiment wurden 6 bis 10 Monate alten Babys kleine rote Scheiben mit Kugelaugen vorgeführt. Diese vermenschlichten Scheiben mussten zunächst versuchen, einen Berg hinaufzurollen. Der zweite Teil des Versuches brachte gelbe Dreiecke ins Spiel,  diese hatten ebenfalls Augen und halfen den Scheiben beim Aufstieg. Im dritten Teil wiederum, versuchten blaue, mit Kugelaugen versehene Vierecke, die roten Scheiben am Anstieg zu hindern. Als nach diesem Experiment die Figuren den Babys zum freien Spiel vorlagen, entschieden sich diese begeistert für die gelben Dreiecke, mit anderen Worten, für ein freundliches Wesen – ohne, dass es sich zuvor in irgendeiner Form direkt an die Babys gewandt hatte. Denn ein Baby mit einer lustigen Grimasse oder einem schönen Lachen zu bezaubern, ist nun wirklich kein allzu kompliziertes Kunststück. Weiterhin provozierten die Wissenschaftler ein Aufeinandertreffen der roten Scheibe mit ihrem „Freund“, dem gelben Dreieck. Fast gelangweilt, oder zumindest nicht sonderlich interessiert sahen die Kinder dabei zu. Als sich jedoch die rote Scheibe, ihrem Widersacher, dem blauen Viereck näherte, wurden sie aufmerksam. Mit Spannung erwarteten sie den Ausgang dieser Begegnung. Sie spürten instinktiv die Brisanz dieses Treffens, sie spürten, dass hier etwas in Unordnung, etwas nicht "gut" war und fühlten, dass dies nicht der Moment sein konnte, indem man sich sorglos einer anderen Sache zuwandte. Daraus ergibt sich die mögliche und durchaus erfreuliche Schlussfolgerung, dass die
Bewertungskriterien für Moral und somit soziales Verhalten, nicht erlernt werden müssen, sondern von Geburt an vorhanden, und wie es die Wissenschaftler formulieren, „universal“ sind.  Offensichtlich können sie nur allzu schnell wieder verlernt werden.
cos